Friday, May 15. 2009Paris - eine lange Geschichte
Tag Eins: Ankommen
Die Vorzeichen hätten nicht schlimmer sein können. Das Wetter war unsagbar ungemütlich, meine geliebte Gefährtin im tiefen Zorn gegen mich entbrannt und ich bestieg einen Zug ohne Fahrkarte, wohl wissend, dass ich eine Karte und einen Platz in einem Abteil mit einer halben Schulklasse, vermutlich eine 7. oder 9. neben einer Familie mit 2 Kindern, die wohl zur einen Hälfte aus Kanada und zur anderen aus Frankfurt stammte, ergattern konnte. Auf der Hinfahrt hielten mich dann eine kurze telefonische Aussprache und hervorragende In-Ear-Kopfhörer davon ab einfach direkt schon durchzudrehen. Als ich ankam war ich nur sehr kurz euphorisch, als ich meinem auch hier bloggenden Fremdenführer antraf und er mich mit den ersten merkwürdigen Begebenheiten in Paris vertraut machte. Eine davon, über die ich immer noch nicht richtig hinweg bin, ist die, dass alle Hauseingangstüren in Paris gepanzert und mit einem Code gesichert sind. Es befinden sich auch keine Namensschilder oder Klingeln an den Türen. Dort wo mein Ansprechpartner wohnt schon gar nicht. Der Hinterhof, den man auf dem Weg zu seinem Domizil durchqueren muss, begrüßte mich zunächst mit frei liegendem Lehmboden, offener Verkabelung und dann mit einer toten Maus auf dem Gehweg. Trotz allem muss man einen gewissen Respekt gegenüber einer Zweizimmerwohnung in Paris aufbringen, vor allem dann, wenn Sie wirklich bloß von zwei Personen genutzt wird. Direkt auf dem Innenhof gegenüber schliefen etwa 10-12 Personen im Schichtbetrieb in einer ähnlich großen Wohnung. Am Abend bekam mein Gastgeber noch Besuch von einem erst kürzlich etablierten Afrikanisch-Französischen bekannten, der sich im Gegensatz zu uns in dem gewählten Wohnviertel rund um die Metrostation Stalingrad nicht seiner Hautfarbe schämen musste. Die Kommunikation lief holprig, da mein Gastgeber ständig hin und her übersetzen musste. Meinen ersten Spaziergang durch das Wohnviertel beging ich auf dem Weg zu einem Vietnamesischen Restaurant, in dem mich ungeahnte Köstlichkeiten erwarteten. Unter anderem war dies frittierter Schweinedarm, der ungefähr so schmeckt wie gebratener Speck, der um Filet gehüllt ist. Trotz jahrelanger Erfahrung mit dem Essen von in den eigenen Darm zurückgepressten Schweinen (kurz: Wurst) kostete mich dennoch eine gewisse Überwindung den Darm als solches zu kosten. Nach diesem hervorragenden Diner schleppten wir unsere bis zum zerbersten gefüllten eigenen Gedärme noch bis hoch auf den „Montmartre“ der wahrscheinlich höchste Punkt der Stadt auf dem die „Sacre Coeur“, eine Basilika steht, auf dessen Treppe geschätzte 50 jugendliche und halbwüchsige eine ausgelassene Party feierten, einfach so, mit allen anwesenden. Wir waren ja eigentlich nur wegen der Aussicht dort, sind dann also auch ohne groß mit zu feiern den Rückweg angetreten. Nach einem solchen Tag in Paris ist man als jemand, der nicht in einer vergleichbaren Metropole lebt ziemlich erschöpft. Aber es ist eine Art von Erschöpfung, die ich sehr gern habe. Es ist die Art von Erschöpfung, die wirklich aus „Schöpfung“ entsteht. Paris sei ein unglaublich Inspirierender Ort, weiß mein Begleiter zu erzählen und ich muss ihm recht geben. Die malerische Mischung aus heruntergekommener Industrie und heruntergekommener Antike, die heute in Messing und Hollywood gegossen gern als „Steampunk“ bezeichnet wird, wirkt vielleicht wirklich beflügelnd auf das menschliche Gehirn, vielleicht liegt es aber auch an der ständigen Smog- bedingten Atemnot. Tag Zwei: Eindrücke sammeln
Am Morgen des ersten ganzen Tages in Paris wurde ich von dumpfen Schlägen geweckt, die klangen, als würden Sie direkt in meinem Kopf von statten gehen. Nach näherer Analyse und dem eintreten meines vollen geistigen Urteilsvermögens, stellte ich fest, das die Geräusche eher von unter meinem Kopf durchgeführten Bauarbeiten herrührten als von am Vortag konsumierten Alkoholika, was auch merkwürdig gewesen wäre, da ich überhaupt keinen konsumiert hatte. An den Bauarbeiten fand ich interessant, dass sie wohl nur 3 Stunden pro Tag durchgeführt wurden, allerdings zielgenau in den 3 Stunden, die ich glaubte länger als zu hause schlafen zu können und das komplett rund um meinen Schlafplatz und sonst nirgends. Das hat natürlich neben dem Nachteil ein noch größeres Schlafdefizit aufzubauen noch den Vorteil, dass man einigermaßen zeitig aus dem Bett und in die Stadt kommt. Wenn man sich ausreichend Zeit für das Frühstück nimmt, dann kommt man auch nicht in die Rush-Hour und kann einigermaßen leere Metros genießen. Einigermaßen leer, das war auch so ein Begriff, den ich in Paris vielleicht gleich mit der einen oder anderen Anekdote über die Metro abrunden sollte. Einigermaßen voll, das bedeutet, die Metro ist so leer, daß man auch zwischen den Stationen in der Bahn atmen kann und ohne Anlauf noch ins Abteil kommt. Ich hatte das große Glück einen einigermaßen Erfahrenen Metro-User immer dabei zu haben und bin so nur ein einziges mal in den echten Rush-Hour-Verkehr gekommen in den sich die arme Frau meiner Reiseleitung jeden Tag stürzen muss. Diese Bilder, die Ihr vielleicht aus Tokyo kennt, wo Menschen von Bahn-Mitarbeitern in die U-Bahn gepresst werden, die könnten auch zur Rush-Hour an der Chatelét aufgenommen worden sein. Es ist unerträglich! Noch dazu muss man bedenken, dass es in Paris in der Metro immer wärmer und schwüler ist als außerhalb der U-Bahn. Ich denke ich werde Paris nach Möglichkeit nie im Sommer besuchen. Am ersten Tag, hatte ich große Lust die Stadt einfach mal auf mich wirken zu lassen und so zogen wir völlig ohne konkretes Ziel los ins Stadtinnere. Ich habe unheimlich viel Streetart festgehalten und naja, eben die Stadt auf mich wirken, oder besser einprügeln lassen. Was mir bei diesem Marsch gleich aufgefallen ist, war die enorme Kunst der Pariser einfach jeden möglichen Platz auszunutzen. Dafür gibt es eben so gut wie keine Grünflächen, unglaublich viele Straßen und Gassen und an der Uferpromenade der Seinne sind Grüne Stahlkisten auf das steinerne Geländer geschraubt, in denen kleine Läden mit sehr zufälligen Öffnungszeiten oder auch mal ein Obdachloser schlummern.Wir kreuzten auf unserer Odysse durch die Innenstadt auch noch den Louvre und schossen das typische „pic-or-didn't-happen“ Bild, auf dem ich sogar beinahe zu erkennen bin. Die monumentalen Bauwerke von Paris sind in einem Wort: Unvergleichlich! Sie sind größer, älter und schöner als alles, was ich bisher in meinem Leben gesehen habe. Wenn ihr den Louvre inklusive Königsgarten einmal Umrundet, seit ihr in Etwa dieselbe Strecke wie vom Dom zum Fernsehturm gelaufen (Frankfurt, gilt auch für: Köln, ..) Es war zum Glück bedeckter Himmel mit gelegentlichen Schauern, so waren recht wenig Leute auf der Straße und man hatte tatsächlich die Möglichkeit die Wirkung der Stadt und nich die der hektischen Pariser zu absorbieren. Als wir wieder in das Domizil meines Gastgebers zurückkehrten waren wir allerdings von den 4 Stunden Fußmarsch ziemlich Erschöpft, was seiner Gattin nicht recht gefiel, die die Sonne von der Arbeit mit nach hause brachte und selbige noch ein wenig geniessen wollte. Nach wenig Murren und Knurren liessen wir uns von ihr überreden und setzten uns noch ein wenig an den berühmten Kanal, der wohl auch in „Night on Earth“ Ziel der Fahrt einer blinden Frau in Paris ist. Dort spielten wir noch etwa eine Stunde ausgelassen Maumau in der untergehenden Sonne. Wir sind an diesem Abend fast zeitgleich mit der Frau meines Gastgebers zu Bett gegangen. Der Tag war anstrengend. Der nächste würde es wieder werden. Tag Drei: Erleben Eine der kleinen Eigenheiten der Metropole Frankreichs lernte ich zuerst Richtig auf dem legendären Friedhof Père Lachaise kennen. Neben der ausgesprochen malerischen Umgebung auf dem Friedhof, auf dem neben Jim Morrison auch unzählige andere Berühmtheiten mit bedeutend schöneren Gräbern beerdigt wurden, trafen wir auf einen Arbeiter, der mit einem Presslufthammer bewaffnet ein Grab aushob. Das Aggregat für diesen Presslufthammer stand mitten auf einem der historischen Hauptwege des gigantischen Friedhofs und schwärzte dank der Abwesenheit jeglicher Rohre oder gar Rußfilter den Gehweg in einem Radius von etwa 1,5m. Die Lebensweisheit, die jeder Pariser vermutlich sogar jeder Franzose in sich trägt um solche Ungereimtheiten überhaupt zuzulassen lautet: „Es ist ein Problem, aber eben nicht meins!“. Wir haben uns für diesen Friedhof keine Karte gekauft und sind nur etwa 10 Minuten auf einem der Hauptwege gelaufen. Den Rest der Zeit haben wir auf Tuchfühlung mit Jahrhunderten von Tod,Trauer und Verwesung verbracht, dabei unheimlich wenig Touristen und eine Katze getroffen. Es war wirklich ein Erlebnis, was ich in der Form noch nie hatte. Nach diesem wirklich einzigartigen Cross-Walk durch den Friedhof, bekamen wir noch einen kurzen Lachanfall beim Entdecken der Gruft der „Familie Adam“ und liefen dann sehr belustigt im Studentenviertel in einem dänischen Sandwich-Laden ein, der uns ein wirklich gigantisches Mittagessen zu einem fairen Preis servierte. Leider war dieses Mittagessen nicht wirklich leicht, so beschlossen wir unsere gefüllten Mägen fortan mit der Metro zu bewegen. Wir hatten wieder kein echtes Ziel und so zogen wir noch einmal durch die Innenstadt und kauften ein paar Kleinigkeiten ein und fuhren in der Rush-Hour mit der Metro zurück nach Hause. Metro: Rush Hour Nach dieser äußerst nervenaufreibenden Fahrt liefen wir noch ca 200 Meter durch den strömensden Regen, der seit der Ankunft meiner Gastgeber in Paris gefallen war. Es kam einer Erlösung gleich. Tropfnass aber quietschfidel kamen wir in der heimelich vorgeheizten Behausung meiner Gastgeber an und bereiteten uns ein spärliches aber nahaftes Mahl. Den restlichen Abend verbrachten wir wieder mit einigen Runden Maumau und dem Gefühl heute sehr weit gegangen zu sein. Tag Vier: Ausklingen Einige Punkte hat man ja immer in Paris, an denen man unbedingt mal gewesen sein muss, wenn man schon mal da war und sei es nur um sich selbst die "wie kann man nur ..." Sprüche der Bekannten und Verwandten zu ersparen. So besuchten wir an meinem letzten Tag den Triumphbogen und die Champs Elysee. Wir waren noch nicht einmal halb aus der Metro raus, als wir schon die erste Zigeunerin mit einem ganz aktuellen Abzock-Trick am Arsch hatten. Glücklicherweise hat mein Gastgeber bereits sein Vordiplom im Loswerden lästiger Bazillen in Paris abgeschlossen und keine 150 Meter ließ die lästige Zigeunerin von uns ab. Trick: der Ring Nach dem Abschütteln betraten wir die Champs Elysee voller Erwartungen. Diese Erwartungen wurden eigentlich alle Enttäuscht. Der/Die Champs Elysee ist eine riesige Touristenverarschungsmeile. Die richtig guten Geschäfte sind in den Seitenstraßen versteckt und die, die uns interessierten waren der Virgin Megastore, der Fnac und der McDonalds, nachdem wir diese 3 Besucht hatten machten wir kehrt und kehrten müder zurück als erwartet, aber nicht mir leeren Händen, denn in der wirklich großartigen Auswahl der beiden genannten Musikfachgeschäfte fanden sich einige preiswerte Schmuckstücke. Bis zum Abend verbrachten wir die Zeit mit dem transferrieren selbiger Schmuckstücke auf unsere tragbaren Abspielgeräte und heftigstem geklöne über Filme, Kunst, Philosophie und den ganzen Rest. Meine Zeit in Paris klang gemeinsam mit meinen Gastgebern in einem Cafe bei einem vorzüglichen White Russian so aus, wie sie immer hätte sein müssen. Ruhig, verträumt und rot beleuchtet! Bilder gibt es bei Picasa und Flickr Picasa Webalbum All Photos with Tags "paris" on Flickr Trackbacks
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Kraaaaass, ich will auch! Muss mal schaun, wie ich das nächsten Monat hinbekomme...
@derDon E-Mail angekommen? Comments (2)
Blabla sehr gut. Unterhaltsam und informativ.
Comments (2)
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QuicksearchSeitenSenf aktuellDrasti about An die letzten Rollenspieler
Thu, 13.08.2009 15:21
Ich bin seitdem Artikel [...]Comments ()
JoKer23 about Android Erfahrungsberichte
Sun, 26.07.2009 14:01
Doch Doch, ganz normal t [...]Comment (1)
Amsigall about Android Erfahrungsberichte
Sun, 26.07.2009 12:02
... und telefonieren kan [...]Comments ()
JoKer23 about Wilkommen am Ende des Internets
Fri, 24.07.2009 16:23
*lacht*
Ja das muss man [...]Comment (1)
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