Als wir letztes Mal in unserem Stammlokal zum Abendessen waren, saßen am Nebentisch drei Seniorinnen. Grundsätzlich sind wir älteren Menschen gegenüber freundlich eingestellt, haben auch eher amüsiert hin und wieder Gesprächsfetzen zur Kenntnis genommen, aus denen deutlich wurde, dass da schwer abgelästert wurde über Nachbarn, Familienmitglieder und sonstige Personen, die nicht so tun wie man das persönlich für einzig richtig hält.
Es gab nur ein kleines Problem für uns, nämlich dass es ziemlich eng war in der Ecke, in der wir saßen, und mein jugendlicher Begleiter immer wieder den Ellbogen der einen Frau in die Rippen kriegte. Er wendet sich also zu ihr hin mit den Worten (wörtlich zitiert!): "Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie ein bisschen nach links rücken? Sie stoßen mich ständig mit dem Ellbogen, das stört beim Essen."
Zu unserer beider Verblüffung sagt die Angesprochene empört: "Ich hab' doch gar nix gemacht!", rückt aber weg. Die andere Frau sagt noch empörter: "Des kann mer aber aach e bissje freundlicher saaache".
Wir sind beide sprachlos, unsere Hirne arbeiten irgendwie nicht mit solchen Möglichkeiten der Kommunikation. Ich frage noch meinen Begleiter: "Hast du das auch grade gehört?" Er hat. Er will jetzt einfach nur in Ruhe essen, sagt nix weiter dazu.
Als wir später aus dem Lokal raus gehen, fängt er doch an zu reden, meint, er hätte vielleicht doch was sagen sollen, etwas in der Art von: "Sagen Sie mir bitte, wie ich es freundlicher hätte formulieren können. Ich spreche das dann nach."
Schade, dass so offensichtlich hirnloses Reagieren einem spontan tatsächlich die Sprache verschlagen kann. Das wäre eine großartige Reaktion gewesen, finde ich. Mich erschreckt an der Episode, dass es bei einigen Alten offenbar schon so eine Art von Reflex gibt: Wenn junge Leute einen ansprechen, kann das nur grob, unverschämt, altenfeindlich sein. Da muss man sofort "pädagogisch" intervenieren. Gräßlich! Da werden ja selbst tief verankerte Freundlichkeitsfähigkeiten erschüttert . 